
Produktionskosten nachhaltig senken
Veröffentlichung: 29 Juli 2026
Automobilindustrie unter Kostendruck: Drei Hebel für nachhaltige Effizienzsteigerungen
Die Automobilindustrie steht weiter unter enormem Effizienz- und Transformationsdruck. Steigende Variantenvielfalt, volatile Lieferketten und zunehmende Kosten belasten Produktions- und Logistikstrukturen. Denise Pohlig, Geschäftsführerin bei ifp consulting, erläutert im Interview mit Automobil Produktion, wie Unternehmen Produktions- und Logistikkosten nachhaltig senken können.
Dabei zeigt sich immer wieder: Kurzfristige Sparprogramme allein reichen nicht aus. Entscheidend sind Transparenz über die tatsächlichen Kostentreiber, eine ganzheitliche Betrachtung von Produktion und Logistik sowie robuste Strukturen, die langfristige Verbesserungen ermöglichen.
Transparenz über die tatsächlichen Kostentreiber schaffen
Frage Automobil Produktion:
Viele OEMs und Zulieferer suchen nach neuen Hebeln, um Produktions- und Logistikkosten zu reduzieren. Wo setzen Sie in Projekten typischerweise zuerst an?
Antwort von Denise Pohlig:
Wir starten grundsätzlich damit, Transparenz über die tatsächlichen Kostentreiber zu schaffen. In vielen Werken sind Make or Buy Kosten, Variantenkosten oder Komplexitätsaufwände irgendwo verborgen aber nicht systematisch sichtbar.
Entscheidend ist eine durchgängige Betrachtung über Produktion, Logistik & Bestände hinweg. Erst wenn klar ist, welche Strukturen wirklich Kosten verursachen, können Unternehmen wegkommen von kurzfristigen Sparmaßnahmen & nachhaltige, strukturelle Hebel aktivieren.
Warum Layoutplanung Betriebskosten maßgeblich beeinflusst
Frage Automobil Produktion:
Sie sprechen Materialfluss und Wege an. Warum ist die Gestaltung von Fabrik- und Logistiklayouts für Kostensenkungen so zentral?
Antwort von Denise Pohlig:
In der Planung werden 70–80 % der späteren Betriebskosten festgelegt. Wenn Layouts historisch gewachsen sind, entstehen unnötige Transporte, Flächenverbrauch, Wartezeiten.
Deshalb muss man Layouts manchmal radikal neu denken: Wege und Puffer reduzieren, Layouts verschlanken, Schnittstellen zwischen Produktion und Logistik verbessern. Automatisierung spielt dabei eine Rolle, aber nur, wenn sie wirtschaftlich ist.
Standardisierung ist in diesem Zusammenhang der Schlüssel: Sie ermöglicht Skalierung, schafft die Grundlage für Automatisierung und stellt sicher, dass Effekte messbar sind.
End-to-End-Denken statt isolierter Optimierungen
Frage Automobil Produktion:
Wenn Sie einen Blick nach vorn werfen: Welche Entwicklungen prägen den Bereich Produktions- und Logistikkostenoptimierung in den nächsten Jahren?
Antwort von Denise Pohlig:
Wir sehen, dass Unternehmen zunehmend ganzheitlich denken: Weg von isolierten Optimierungen einzelner Bereiche hin zu End to End Ansätzen und Kostenoptimierungsmaßnahmen, die direkt in der P&L sichtbar sind, gleichzeitig steigt die Bedeutung datenbasierter Entscheidungen.
Trotzdem bleibt eines zentral: Bevor Technologie kommt, müssen Strukturen und Prozesse stimmen. Automatisierung kann auch bei neuen Prozessen sinnvoll sein – vorausgesetzt, diese wurden zuvor ganzheitlich durchdacht, stabil definiert und so validiert, dass Abläufe, Kapazitäten und Schnittstellen zuverlässig funktionieren.
Wer diese Grundlagen beherrscht, kann wirtschaftlich, flexibel und zukunftsfähig produzieren – selbst unter volatilen Rahmenbedingungen.
Das Interview wurde veröffentlicht in https://www.automobil-produktion.de/technik/diese-tools-erleichtern-die-autoproduktion-der-zukunft/1133770
Key Takeaways
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