Reorganisation und Neuausrichtung der Supply Chain

Wie Ihre Lieferkette widerstandsfähiger wird

Abbildung 1 – Lieferkettenanalyse (Quelle: Adobe Stock/NicoElNino)

 

Supply Chain Reorganisation: Das Risiko von Lieferunterbrechungen minimieren

Die Corona-Krise birgt für die Lieferketten weiterhin ein hohes Risiko und fordert vom Supply Chain Manager ein gutes Krisenmanagement, um Kapazitätsengpässe zu meistern. Vor allem aber sollte die Krise und der unfreiwillige Lockdown dazu genutzt werden die Lieferkette wieder optimal auf die Zukunft vorzubereiten und strategisch neu auszurichten.
Unsere ifp Supply Chain-Expertinnen und -Experten haben dafür wichtige Schritte in der Corona-Krise für Sie zusammengestellt.

Supply Chain Risk Management (SCRM)

Reviewen Sie auch in der Krise auf allen Ebenen Ihre Supply Chain. Bestimmen Sie die Faktoren, die für das gute Funktionieren in den letzten Monaten standen und ebenso jene, die für Ausfälle in der Lieferkette gesorgt haben. Mit diesen gewonnenen Erkenntnissen aus der Krise sollte ein umfangreiches Supply Chain Risk Management aufgebaut werden, welches die Performance der kritischen Prozesse und Lieferanten auf Abweichungen überwacht. In einer Risikomatrix können die Risikofaktoren visualisiert und regelmäßig gereviewed werden.

Abbildung 2 – Bild einer Risikomatrix (Quelle: ifp)

Hierbei wird die Wahrscheinlichkeit des Auftretens mit der Auswirkung des Ereignisses ins Verhältnis gesetzt und eine Einschätzung zur Relevanz des jeweiligen Risikos gegeben. Wichtig ist es, die Lieferkette gesamtheitlich zu betrachten und Ursache-Wirkungsketten nachzuvollziehen. Denn der Ausfall eines womöglich kleinen Bausteins kann größere Störungen der gesamten Supply Chain nach sich ziehen und enorme Kosten verursachen (z.B. hohe Frachtkosten für den Transport von kritischen Teilen per Luftfracht). Auch eine veränderte Konfiguration der SC über z.B. zusätzliche Hubs, eine dezentrale Lagerstrategie und/oder der Aufbau von Konsignationslagern sollte im Zuge der Krise geprüft werden.

Um das Risiko weiterhin zu minimieren, ist ein funktionierendes Lieferantenmanagement (Supplier Management) und die Definition bzw. das Tracking von kritischen Kennzahlen (KPIs) (z.B. Zielreichweiten, Sicherheitsbeständen, Servicelevel) besonders wichtig. Zusätzlich sollte sich das Unternehmen auf unterschiedliche Zukunftsszenarien vorbereiten, was mittels Strategieworkshops und Pre-Mortem Planspielen möglich ist.

Supplier Management

Weiterhin stabilisieren Sie die Supply Chain mit einem auch im Lockdown realisierbaren Lieferantenmanagement, um das Risiko erneuter Ausfälle bestmöglich zu minimieren. Denn auch die Lieferpartner sollten in das Screening der gesamten Lieferkette aufgenommen werden, da Zweitlieferantenkonzepte insbesondere für Engpassteile jetzt erforderlich sein könnten. Mit den Lieferanten sollten regelmäßige Updates vereinbart werden, um frühzeitig zu erkennen, wenn Ware nicht rechtzeitig geliefert werden kann oder wenn der Lieferant in finanziellen Schwierigkeiten steckt (Installation von frühzeitigen Warnsystemen).

Abbildung 3: Supplier Management (Quelle: Adobe Stock/REDPIXEL)

Auch die Second Tier Supplier sollten bei kritischen Teilen nicht außer Acht gelassen werden und in die Kommunikations-/Informationskette mit eingebunden werden. Dies ist besonders entscheidend, um Bullwhip-Effekte (Peitscheneffekte) entlang der Lieferkette zu vermeiden. Denn Bedarfsschwankungen schaukeln sich bei den untergeordneten Lieferanten immer weiter auf und können diese im Zweifel in ihrer Existenz bedrohen. Mittel- bis langfristig wird bei besonders wichtigen Materialien oder bei extremen Lieferzeiten der Aufbau von Zweitlieferanten und somit das Prinzip des Dual Sourcing als Risk Mitigation Strategy besonders wichtig. Welches die Lieferanten sind, auf die Sie ein besonderes Augenmerk legen sollten, lässt sich über das Erstellen von Supplier Scorecards und einer Clusteranalyse (u.a. ABC-XYZ-Analyse) der extern beschafften Materialien ermitteln.

KPI-Tracking

Wenn Sie vorher noch kein Dashboard oder Alert-Monitore für die Überwachung Ihrer Logistik- und Supply Chain-Prozesse aufgebaut haben, ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Die Definition und das Tracking der wichtigsten Kennzahlen ist ein kritischer Erfolgsfaktor für eine robuste Lieferkette. Unter anderem wird bei Reichweiten, Sicherheitsbeständen, Lieferzeiten und Service-Level ein Zielwert mit den aktuell erreichten Werten verglichen. Bei Abweichung wird ein Prozess mit entsprechenden Maßnahmen eingeleitet.

Entwicklung von unterschiedlichen Zukunfts-Szenarien

Abbildung 4: Strategieworkshop zur Supply Chain (Quelle: Adobe Stock/REDPIXEL)

 

Um bestens auf die entstehende Unsicherheit in der Lieferkette aufgrund der aktuellen Corona-Situation vorbereitet zu sein, sollten Sie in unterschiedlichen Zukunfts-Szenarien denken. Dazu gehört sich bereits jetzt mit den Problemen der Zukunft zu beschäftigen, sich auf Worst-Case-Szenarien vorzubereiten und sich mit folgenden Fragen auseinander zu setzen:

Sie sollten sich bei den Überlegungen zu Ihrer zukünftigen Supply-Chain Strategie auch von der Idee des „One fits all“-Ansatzes verabschieden. Über eine gezielte Segmentierung muss die Lieferkette genau an die Anforderungen Ihres Produktes angepasst werden. In dem Zuge können Sie auch aus den erarbeiteten Informationen ableiten, wo sich jetzt aktuell Prozesse vereinfachen lassen, die sonst nicht angefasst oder optimiert worden wären.  
ifp consulting kann Sie bei der Bearbeitung dieser Fragestellungen unterstützen und mit modernsten digitalen Tools alle kritischen Bereiche visualisieren, um so eine robuste, zukunftsorientierte Supply Chain Strategie entwickeln zu können.

Transparenz durch Kommunikation und Information schaffen

In der Krise galt es jetzt die Prozesse am Laufen zu halten oder auch runterzufahren. Möglicherweise wurde bereits an internen Kommunikationskonzepten gearbeitet, um die Mitarbeiter über die Maßnahmen und neuen Abläufe zu optimieren. Falls noch nicht geschehen, ist es spätestens jetzt Zeit den Kontakt auch wieder zum Kunden und zu weiteren Stakeholdern herzustellen. Informieren Sie, was aus Sicht der Logistik alles getan wurde, um auch künftig Lieferketten aufrechtzuerhalten. Geben Sie einen Überblick über alle Unternehmensmaßnahmen, damit Kunden und Lieferanten auch weiterhin Vertrauen in ihr Unternehmen setzen. Und zeigen Sie vor allem auf, welche Konzepte bei einem erneuten Lockdown bereits in der Schublade liegen und dass Sie auf unterschiedliche Zukunftsszenarien vorbereitet sind.

Kontakt ifp Supply Chain Beratung:

ifp - Prof. Dr.-Ing. Joachim Milberg
Institut für Produktion und Logistik GmbH & Co. KG
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